So können hybride Messemodelle funktionieren

October 19th, 2020

Das bisherige Modell einer Messe geht gerade durch einen rigiden Transformationsprozess, und das wird einschneidende Auswirkungen auf die bisher üblichen B2B-Matchmaking-Kanäle haben. Unsere ersten drei Artikel beschrieben diese Entwicklungen und gaben praktische Ratschläge, wie man den Veränderungen begegnen kann. Aber wie sieht eine hybride Veranstaltung auf Online-Kanälen denn wirklich aus? Was sind die «best practices», und haben wir überhaupt schon solche Modell-Fälle, wo sich doch die gesamte Branche im Moment in einer Experimentierphase befindet?

Der Exhibition Think Tank Club (www.exhibitionthinktank.com) hat im August einen so genannten "Sprint" durchgefühert, um die besten hybriden Modellfälle zu finden, die heute verfügbar sind. Rund 100 Fachleute aus der Messe- und Event-Industrie, die in acht Gruppen aufgeteilt waren, suchten nach den besten Hybrid-Veranstaltungen in ihrer Klasse. Nach vier Wochen tauschten die Gruppen ihre Ergebnisse aus, und identifizierten gemeinsam vier hervorragende Beispiele. Interessanterweise kam nur eines der vier Beispiele von einem traditionellen Veranstaltungsorganisator. Es handelte sich um eine Nahrungsmittelmesse in Asien, die einen Online-Marktplatz einführte.  Zwei weitere hybride «best practices» kamen von Apple und Cisco. Die Teilnehmer des Think Tanks waren besonders beeindruckt von der professionellen Durchführung, dem Inhalt und den hervorragend moderierten Online-Sitzungen dieser hybriden Veranstaltungen.

Den Begriff «hybrid» ernst genommen

Der vierte und vielleicht bemerkenswerteste Fall eines hybriden Modells kam von einem Unternehmen, das noch nicht allzu lange im B2B-Matchmaking aktiv ist. Es handelt sich um das französische Unternehmen Hop Wine, das Weinproduzenten mit Weinkäufern zusammenbringt. Das Unternehmens hat ein wirklich hybrides b2b-Matchmaking-Format geschaffen. Man könnte sagen, dass das Unternehmen das Wort "hybrid" wirklich ernst genommen und es auf die nächste Stufe weiterentwickelt hat. Es entwickelte eine Art Käufer/Verkäufer-Reise, die letztlich zu einem perfekt stimmigen Geschäftsabschluss führen kann.

Aber wie sieht diese Reise aus? Zunächst sammelt das Unternehmen Weinproben von verschiedenen Weinkellereien - den Ausstellern. Danach werden die Musterflaschen in Einheiten von vier bis sechs Flaschen umgepackt und an private oder geschäftliche Käufer aus verschiedenen Kategorien versandt. Auf diese Weise erhält jeder Käufer genau die Produktpalette, die seinen Bedürfnissen am besten entspricht. Schließlich wird online eine Weltklasse-Produktpräsentation durchgeführt, wenn die Produkte beim potenziellen Käufer eintreffen.

Es entsteht eine «Matchmaking-Reise», die alle Formate nutzt: live, da die Produkte für den potenziellen Käufer verfügbar sind und getestet oder verkostet werden können, und eine Online-Erfahrung, die diese Produkte zum Leben erweckt.

Der Think Tank war sich in der Diskussion einig, dass Erfahrung, Wirkung, Inhalt, Durchführung und Moderation die Schlüsselkomponenten sind, die eine hybride Veranstaltung wirklich auszeichnen. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch viel mehr Best Practices finden werden!

Nicht genug Best Practices? Weitere Hybridmessen finden Sie in diesem vom CBI veröffentlichten Artikel (in Englisch): https://www.cbi.eu/news/trade-fairs-find-new-ways-open-their-physical-and-virtual-doors?utm_medium=email

Matthias Tesi Baur, MBB Consulting Group, exklusiv für SIPPO